Ein ETF-Sparplan vom Gehalt ist für die meisten Berufstätigen der einfachste Einstieg in den Vermögensaufbau. Jeden Monat fließt ein fester Betrag in einen breit gestreuten Indexfonds, ohne dass Du Kurse beobachten musst. Damit das klappt, braucht es eine Reihenfolge: Reserve, Sparrate, ETF, Steuern.
Erst die Reserve, dann der Sparplan
Bevor Geld in Aktien geht, gehört ein Notgroschen auf ein Tagesgeldkonto. Er fängt die kaputte Waschmaschine oder eine Nachzahlung ab, ohne dass Du ETF-Anteile im falschen Moment verkaufen musst. Die Verbraucherzentrale nennt als Faustregel zwei bis drei Nettomonatsgehälter, die Verbraucherzentrale Hamburg drei bis vier, Finanztip empfiehlt mindestens drei und ideal sechs (Stand Oktober 2026). Wer allein verdient, Kinder hat oder in der Probezeit ist, orientiert sich am oberen Ende.
Du musst nicht warten, bis die Reserve komplett steht. Ein kleiner Sparplan kann parallel starten, während der Großteil erst einmal ins Tagesgeld fließt.
Wie viel vom Gehalt in den ETF-Sparplan gehört
Eine feste Prozentzahl, die für alle passt, gibt es nicht. Rechne lieber von unten: Nettogehalt minus Fixkosten (Miete, Versicherungen, Auto, Abos) minus einem Puffer für Freizeit und Unvorhergesehenes. Was dann übrig bleibt und Du drei Monate lang nicht vermisst hast, ist Deine Sparrate.
Lege den Ausführungstag auf zwei oder drei Tage nach dem Gehaltseingang. Dann wird gespart, bevor das Geld im Alltag verschwindet. Das ist der eigentliche Auto Pilot: Du entscheidest einmal und musst danach nichts mehr tun. Bei jeder Gehaltserhöhung erhöhst Du die Rate gleich mit, bevor Du Dich an das höhere Netto gewöhnst.
Stell Dir als Beispiel eine Projektmanagerin vor, 34 Jahre, 3.900 € netto, 2.900 € feste Ausgaben und Lebenshaltung. Ihr Tagesgeld hat schon gut 10.000 € Reserve. Von den restlichen 1.000 € fließen 300 € in den Sparplan, der Rest bleibt für Urlaub und größere Anschaffungen frei. Das ist ein ausgedachter Fall, die Zahlen dienen nur der Veranschaulichung.
Welcher ETF für den Start passt
Für den Anfang reicht ein einziger, weltweit gestreuter Aktien-ETF, zum Beispiel auf den MSCI World oder einen noch breiteren Welt-Index mit Schwellenländern. Du bist damit an Unternehmen aus vielen Ländern und Branchen beteiligt. Einzelne Branchen- oder Themen-ETFs brauchst Du für den Start nicht.
Bei den Kosten lohnt ein genauer Blick. Die laufenden Kosten (TER, die Gesamtkostenquote pro Jahr) liegen bei MSCI-World-ETFs laut justETF zwischen 0,05 und 0,50 % im Jahr. etf.capital nennt für günstige Angebote 0,05 bis 0,12 %, der größte Fonds liegt bei 0,20 % (Stand 2026). Viele Online-Broker führen ETF-Sparpläne ohne Ausführungsgebühr (etf.capital, Stand 2026). Ob Du einen ausschüttenden oder einen thesaurierenden ETF nimmst (der die Erträge automatisch wieder anlegt), ist beim langfristigen Sparen vor allem eine Frage der Bequemlichkeit.
Rechenbeispiel mit 300 € im Monat
Annahmen: 300 € Sparrate, 25 Jahre Laufzeit, gleichbleibende Rate, Wertentwicklung nach Kosten von 4, 6 oder 8 % im Jahr, monatlich gerechnet. Das sind Annahmen, keine Prognose. Aktienmärkte schwanken, einzelne Jahre können deutlich im Minus liegen.
- Bei 4 %: rund 154.200 € Depotwert, nach Steuer etwa 142.400 €.
- Bei 6 %: rund 207.900 € Depotwert, nach Steuer etwa 186.100 €.
- Bei 8 %: rund 285.300 € Depotwert, nach Steuer etwa 249.200 €.
Eingezahlt hast Du in allen drei Fällen 90.000 €. Die Steuer habe ich vereinfacht auf einen Verkauf am Ende gerechnet: Gewinn mal 70 % (wegen der Teilfreistellung) mal 26,375 %. Den Sparerpauschbetrag habe ich nicht abgezogen. Er senkt die Steuer, wenn Du die Entnahmen über mehrere Jahre verteilst.
Der größte Hebel im Beispiel ist die Zeit. Bei 6 % stammt mehr als die Hälfte des Endbetrags aus Erträgen, nicht aus Deinen Einzahlungen. Wer fünf Jahre später startet, kommt mit derselben Rate bei 6 % nach 20 Jahren nur auf rund 138.600 €.
So wird ein ETF-Sparplan im Depot besteuert
Gewinne und Ausschüttungen unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, mit Kirchensteuer etwas mehr. Bei Aktien-ETFs bleiben 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung nach § 20 Investmentsteuergesetz). Bis 1.000 € Kapitalerträge im Jahr, bei Ehepaaren 2.000 €, bleiben über den Sparerpauschbetrag ganz frei (§ 20 Abs. 9 EStG). Damit der Freibetrag greift, stellst Du bei Deinem Broker einen Freistellungsauftrag.
Bei thesaurierenden ETFs fällt jedes Jahr die Vorabpauschale an. Grundlage ist der Basiszins, den das Bundesfinanzministerium für 2026 mit 3,20 % veröffentlicht hat (BMF-Schreiben vom 13. Januar 2026, berichtet von Haufe und Otto Schmidt). Ein Beispiel: Steht Dein Depot am 1. Januar 2026 bei 10.000 € und ist im Jahr mindestens so viel gestiegen, beträgt der Basisertrag 10.000 € mal 3,20 % mal 0,7, also 224 €. Nach Teilfreistellung sind 156,80 € steuerpflichtig, und die liegen in der Regel im Sparerpauschbetrag. Die Vorabpauschale ist keine Extrasteuer, sie wird beim späteren Verkauf verrechnet.
Depot oder steueroptimierter ETF-Sparplan
Neben dem normalen Depot gibt es den steueroptimierten ETF-Sparplan in einer fondsgebundenen Rentenversicherung. Darin laufen dieselben ETFs, Umschichtungen im Vertrag lösen keine Steuer aus. Bei der Auszahlung als Kapital gilt nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG: Läuft der Vertrag mindestens 12 Jahre und bist Du mindestens 62 Jahre alt, wird nur die Hälfte des Gewinns mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Bei fondsgebundenen Verträgen bleiben zusätzlich 15 % des Gewinns steuerfrei (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 9 EStG, zusammengefasst von steuerschroeder.de und der Finanzverwaltung NRW). Im Ruhestand mit niedrigerem Steuersatz kann das spürbar weniger Steuer bedeuten als im Depot.
Die Nachteile gehören auf denselben Tisch. Der Vertrag hat eigene Kosten, die den Steuervorteil auffressen können, wenn sie zu hoch sind. Die Vorteile greifen erst nach 12 Jahren und ab 62. Wer vorher kündigt, versteuert den Gewinn regulär und zahlt oft drauf. Ob sich das lohnt, hängt an Kosten, Laufzeit und Deinem Steuersatz heute und im Alter. Wie ich das rechne, steht auf der Seite steueroptimierte ETF-Sparpläne.
Ab dem 1. Januar 2027 kommt das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot dazu. Mit dem richtigen Vertrag lässt sich das geförderte Guthaben förderunschädlich für ein selbst genutztes Eigenheim einsetzen. Nicht jeder Anbieter bietet diese Option an, deshalb lohnt die Beratung vor dem Abschluss. Den Vergleich mit Zahlen findest Du im Beitrag Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan.
Für wen sich der ETF-Sparplan lohnt und für wen nicht
Er passt, wenn Du regelmäßig Geld übrig hast, mindestens zehn Jahre Zeit mitbringst und Kursrückgänge aushältst, ohne auszusteigen. Für Berufstätige zwischen 25 und 40 ist er oft das Fundament, auf das später weitere Bausteine kommen, etwa eine vermietete Wohnung als Kapitalanlage.
Weniger gut passt er für Geld, das Du in den nächsten drei bis fünf Jahren brauchst. Das gilt für die Anzahlung einer Wohnung genauso wie für das Auto. Fällt der Markt kurz vor dem Termin, musst Du mit Verlust verkaufen. Auch wer noch teure Konsumkredite oder einen Dispo abbezahlt, fährt mit der Tilgung meist besser.
Was offen ist
Wie sich die Börsen entwickeln, weiß niemand. Die Prozentsätze im Rechenbeispiel sind Annahmen. Der Basiszins für 2027 steht erst im Januar fest, und Steuerregeln wie der Sparerpauschbetrag können sich ändern. Beim Altersvorsorgedepot fehlt noch das Anwendungsschreiben des Bundesfinanzministeriums, die Details zur Eigenheim-Entnahme gelten voraussichtlich ab 2027.
Fazit
Ein ETF-Sparplan für Berufstätige braucht wenig: eine Reserve auf dem Tagesgeld, eine Sparrate, die direkt nach dem Gehalt abgeht, und einen günstigen Welt-ETF. Wichtiger als der perfekte Fonds ist, früh anzufangen und die Rate mit dem Gehalt wachsen zu lassen. Ob Depot, steueroptimierter Sparplan oder eine Mischung besser passt, entscheidet Dein Steuersatz heute und im Alter.
Wenn Du wissen willst, welche Aufteilung bei Deinem Gehalt am meisten bringt, rechnen wir das gemeinsam durch. Schreib mir über das Kontaktformular oder per DM auf Instagram.
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