Am 1. Januar 2027 treten die ersten Teile der GKV-Reform in Kraft. Der Bundestag hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 10. Juli 2026 beschlossen. Für Gutverdiener heißt das vor allem höhere Beiträge, einige Leistungen werden außerdem teurer. Hier der Stand, getrennt nach „beschlossen“ und „noch offen“.
Der Beitrag steigt, weil die Beitragsbemessungsgrenze steigt
Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) legt fest, bis zu welchem Einkommen Du Krankenkassenbeiträge zahlst. Für 2027 hat das Kabinett sie auf 6.375 Euro im Monat (76.500 Euro im Jahr) festgelegt, der Bundesrat muss der Verordnung noch zustimmen. Das sind rund 562,50 Euro mehr pro Monat als 2026 (5.812,50 Euro), also etwa 9,7 %. 300 Euro im Monat davon sind eine außerordentliche Anhebung, der Rest ist die übliche jährliche Anpassung.
Was das für Dich bedeutet, hängt vom Zusatzbeitrag Deiner Kasse ab. Ein Beispiel bei einem Gesamtbeitrag von 17,5 % inklusive durchschnittlichem Zusatzbeitrag: Wer schon oberhalb der Grenze verdient, zahlt rund 98 Euro mehr im Monat. Bei Angestellten trägt der Arbeitgeber die Hälfte, bei Dir bleiben etwa 49 Euro im Monat oder rund 590 Euro im Jahr. Als Selbstständiger zahlst Du den vollen Betrag. Das ist eine Beispielrechnung, keine Garantie.
Das ist beschlossen
Medikamente und Hilfsmittel kosten künftig mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro Zuzahlung, bisher waren es 5 bis 10 Euro. Die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner bleibt bis Ende 2027 bestehen. Ab 2028 kommt ein Zuschlag von 2,5 % der beitragspflichtigen Einnahmen. Er entfällt, wenn im Haushalt Kinder bis 12 Jahre leben, pflegebedürftige Angehörige betreut werden oder die Regelaltersgrenze erreicht ist. Beim Zahnersatz sinkt nach aktuellen Übersichten der Festzuschuss für die Regelversorgung von 60 auf 50 %, mit Bonusheft gibt es weniger als bisher.
Das ist noch offen
Zu einzelnen Punkten, die zuletzt in der Presse standen, etwa Krankengeld und Vorsorgeuntersuchungen, sind die Angaben nicht einheitlich. Ich nenne hier nur, was sich belegen lässt, und aktualisiere den Beitrag, sobald die Details feststehen. Die Zusatzbeiträge für 2027 geben die Kassen erst zum Jahreswechsel bekannt.
Ist die PKV jetzt automatisch besser?
Nein. Die Reform ist ein Anlass, die eigene Krankenversicherung zu prüfen, aber noch keine Entscheidung für die PKV. Sie lohnt sich nur, wenn Du die Voraussetzungen dauerhaft erfüllst. Angestellte dürfen wechseln, wenn ihr Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Sie beträgt 2027 voraussichtlich 84.150 Euro im Jahr. Selbstständige und Beamte können unabhängig davon wechseln.
Die Leistungen sind in der PKV vertraglich geregelt, und für das Alter werden Altersrückstellungen aufgebaut. Dem stehen eigene Risiken gegenüber: Auch private Beiträge können steigen, der Weg zurück in die GKV ist meist schwierig, und Familie und Kinder kosten zusätzlich. Entscheidend ist ein Tarif, der zu Deiner Lebensplanung passt, nicht der günstigste Einstiegsbeitrag.
Was Du jetzt tun kannst
Rechne zuerst Deinen Mehrbeitrag nach. Ein Blick auf die Gehaltsabrechnung und den Zusatzbeitrag Deiner Kasse reicht dafür. Prüfe dann Dein Risiko bei Zahnersatz und Zuzahlungen, denn eine Zahnzusatzversicherung kann die Kürzung beim Festzuschuss ausgleichen. Und entscheide nicht unter Zeitdruck: Auch ein Wechsel in die PKV braucht eine Gesundheitsprüfung und eine saubere Tarifwahl.
Wenn Du wissen willst, was die Reform für Dich konkret kostet und ob PKV, ein Kassenwechsel oder eine Ergänzung sinnvoll ist, rechnen wir das gemeinsam durch.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung. Stand: 22. Oktober 2026. Quellen: Bundestag (Beschluss vom 10. Juli 2026), Bundesregierung (Beitragsbemessungsgrenzen 2027), PKV-Verband, Beratungsübersichten zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.
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